Donnerstag, September 28, 2006

 
Die letzten Tage vor Studiumsbeginn

Am Dienstag war ich mit ein paar Leuten im Albacín und im Sacromonte, dem, wenn man so will, historischen Viertel Granadas. Man geht durch enge Gassen steil bergauf und kommt schliesslich auf eine Wiese, von der aus man einen wunderschoenen Blick ueber die Stadt hat. In diesem Teil der Stadt scheint die Zeit tatsaechlich stehen geblieben zu sein, worum sich auch keiner zu kuemmern scheint. Auch die Dachterassen der Haeuser sind nicht zu verachten. Entlang an einer alten, ich denke mal Befestigungsmauer, gings dann wieder runter ins Leben.

Gestern hab ich mich zum ersten Mal zum Friseur gewagt worauf mich eine junge und auch ziemlich huebsche (nicht unbedingt erwartet) Spanierin mit '¡dime!' (wieder erwartet) ansprach. Ich meine mein Spanisch ist von der Bezeichnung 'gut' oder zumindest 'ausreichend' noch weit entfernt, aber irgendwie war ich etwas nervoes, was dazu gefuehrt hat, dass ich mich dann nur noch mit Infinitiven verstaendigt habe, was sie aber nett lachend und mit Geduld hingenommen hat. Ansonsten kann man ja auch viel mit Zeigen wett machen. Im Gegensatz zu vielen Anderem hier, war es auch erfreulich billig.

Donnerstag war nun die erste offizielle Erasmusparty in irgendeinem der vielen Clubs hier. Fuer €6,- Eintritt gab's auch eine Stunde Freigetraenke, was allerdings nicht ueber die grottenschlechte Musik (Cher, Modern Talking, etc) hinwegtaeuschen konnte. Dazu kam, dass nach dieser Phase kein Bier, noch sonstige leicht alkoholische Getraenke mehr ausgeschenkt wurden, sondern nur noch Longdrinks fuer €5,-, was mir auf Dauer erstens zu teuer, aber auch zu heftig war, da die Mischung, was den Preis auch wieder rechtfertigt, sehr zugunsten des Schnaps ' lag.

Tags drauf (Freitag), bin ich mit drei Freundinnen mit dem Auto der Einen, Richtung Westen gefahren. Ziel der Reise war Cádiz, aber weil's so schoen auf dem Weg lag, hielten wir zuerst in Ronda.
Letztere ist relativ klein, auf einem Berg gebaut (zumindest die Altstadt) und die handvoll Sehenswuerdigkeiten (wobei man das ruhig woertlich nehmen darf) hat man auch innerhalb einer halben Stunde durch. Nichts destotrotz ist Ronda ein nettes, kleines, verschlafenes und schoenes Andalusisches 'Dorf', was einen Abstecher auch Wert ist. Danach ging's weiter nach Cádiz.
Unser Backpackershostel erreichten wir am spaeten Abend (damit ist hier zwischen 10 und 11 Nachts gemeint) und da ich mich um die Planung absolut nicht gekuemmert hatte, war ich etwas ueberrascht als uns statt Zimmern, die Dachterrasse mit Haengematten gezeigt wurden. Immerhin ist man ja hier in Spanien und somit wird es auch nachts nicht allzu kalt und so blieb als stoerender Faktor nur, die nicht so ganz bequeme Lage (vor allem bei Personen ueber 1,80) und der Laerm der durch einen Luftschacht, welcher von der Kueche, was auch gleichzeitig Aufentshaltsraum etc war, bis zu uns auf's Dach fuehrte. Ansonsten sah es da oben aber echt nett aus. (Fotos folgen) Wir legten unsere Sachen ab und machten uns auf den Weg in die Stadt. >>Man muss zu Spanien sagen, wie wir auch in einem unserer Gespraeche einstimmig festgestellt haben, dass man hier, wenn man 'schon' um 4 bis um 6 zurueck nach Hause kommt, auf einer schlechten Party war. Gute dauern auch gern mal bis 9. <<
Nett ist auch, dass man hier eigentlich rund um die Uhr, kleine Lebensmittelgeschaefte findet in denen man fuer ca. €1,20 einen Liter Cerveza bekommt. In diesem Sinne ging unser erster Tag in Cádiz um halb fuenf(! que temprano) zu Ende.
Am folgenden machten wir uns auf, die Stadt ein bisschen kennenzulernen, auch wenn sie nicht grade vor Sehenswuerdigkeiten strotzt, ist sie trotzdem nett anzusehen und als wir dann auch alle unsere Erledigungen beendet hatten, kamen wir zum wohl schoensten Argument der Stadt: der Strand, welcher sich auf der Atlantikseite fast die ganze Stadt lang erstreckt.
Am Abend hab ich dann meine erste, richtige Botellion in Spanien miterlebt, bei der sich junge Menschen irgendwo in der Stadt auf einem Platz treffen um... ihr wisst was jetzt kommt.
Sonntag haben wir dann unserem neuen Sport gefroehnt: 'Strandhopping'. Einfach ins Auto, an der Kueste ab nach Sueden und an willkuerlich gewaehlten Straenden anhalten. Einmal ins Wasser, dann von der Sonne trocknen und braeunen lassen und ab zum naechten Strand. Auf diesen Weg haben wir uns bis Tarifa durchgekaempft von wo aus man auch schon das Afrikanische Festland sieht. Einigermassen erschoepft, dafuer aber braun fuhren wir wieder zurueck in unsere Heimatstadt.

Comments:
Hallo Klemens,

das läuft ja wunderbar bei Dir. Ich sehe Du hast Dich inzwischen bestens eingelebt. Ich wünsche Dir weiterhin das traumhafteste Wetter, dass es nur gibt.
Nun kurz zu mir. Ich habe Dein Fahrrad
in die Werkstatt gebracht, wo sie zwei
neue Mäntel und einmal neue Bremsbeläge aufgezogen haben. Gratis dazu haben sie auch noch die Vorderbremse neu eingestellt. Aber das wichtigste kommt zuletzt. Ich habe Deine Acht aus dem Hinterrad zentrieren lassen. Wenn Du mich und Deinen geliebten Drahtesel nur sehen könntest, ich schwöre, du hättest Tränen vor Glück in den Augen.
Tja, ansonsten gibt es noch zu berichten, dass ich heute nach Zwenkau fahre zum Hospitieren. Danach habe ich endgültig alle Pflichten für einen künftigen Fachübungsleiter erfüllt. Richtig, ich habe die C-Lizenz nicht bekommen. Mist, aber was solls. Kohle gibts dafür auch.

LG
St.
 
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