Dienstag, März 06, 2007

 

Gegensätze

…nach langer Zeit mal wieder was von mir. Erst mal zu dem was so passiert ist:

Fehlschlag

Wir beginnen am Wochenende 10./11. Februar: Karneval – und der berühmteste in Cádiz. Genau genommen geht der ‚Carneval’ da eine Woche, aber am ersten Wochenende sollte das Meiste los sein. Wir hatten uns ein Auto im Internet gemietet und Samstag früh wollten eine Freundin und ich dieses Auto von der Autovermietung am Flughafen abholen. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass es keine Reservierung auf meinen Namen gab, aber – und das hat mich sehr erstaunt und gefreut – das spanische Personal hat wirklich alles versucht uns zu helfen. D.h., da es in der Umgebung vom Flughafen (ca. auf 1km verteilt) mehrere Vermietungen gibt, haben die uns mit dem Auto rumkutschiert, für uns gefragt und wir durften sogar – und das war selbst den Angestellten nicht gestattet – ins Internet (da sich der Code vom Chef doch schon rum gesprochen hat).

Das Ganze hat aber auch nichts geholfen, so dass wir und mit Getränken und Essen in die WG gesetzt haben und Skat gespielt - und Filme geschaut haben. Es war sowieso kalt und hat geregnet. Am nächsten Tag, als das Wetter sich schon etwas wieder gebessert hatte, sind wir dann nach Guadix gefahren. Dieses – ich bezeichne alles was kleiner als 100 000 Einwohner ist als – Dorf ist durch seine Höhlenwohnungen bekannt, die irgendwie an Zwergenbehausungen in einem Fantasyfilm erinnern. Sonst ist da gar nichts.

Zurück zum Karneval: von den Erasmus Studenten die gefahren sind – und das waren einige – haben wir eigentlich das einstimmige Urteil gehört, dass der Karneval wohl eher einer Botellion (also riesiges öffentliches Besäufnis) in Kostüm glich, als irgendetwas anderem. Das Wochenende drauf waren aber immer Veranstaltungen und da auch weniger Leute erwartet wurden und auch das Wetter besser war, haben wir es noch mal mit dem Auto versucht, was diesmal auch reibungslos geklappt hat. €42,- von Freitag bis Montag incl. Vollkasko!

Zum Karneval

Zuerst sind wir – ich zum zweiten Mal – nach Ronda gefahren. danach ging’s nach Jerez, wo wir vergeblich versucht haben ein Quartier zu finden, da Cádiz restlos ausgebucht war. Nach, meiner Meinung nach, nicht all zu intensiver Suche sind wir dann direkt auf den Karneval gefahren, welchen ich als ganz nett empfand, nur hatte sich das Problem des Schlafens bis dahin immer noch nicht geklärt. So zerfielen wir in zwei Parteien. Die Einen, die ein paar Stunden noch da bleiben - und dann die Rückfahrt nach Granada antreten wollten und die Anderen die gleich – also nach ungefähr einer Stunde in Cádiz – wieder aufbrechen – und, auf gut Glück, ein Quartier weiter südlich – Richtung Tarifa – suchen wollten. (Ich gehörte eher zu der ersten Gruppe) Nur, wie ich dann am nächsten Tag festgestellt habe, wir nicht die jeweiligen Prioritäten geklärt und so gerieten wir ein wenig in Streit und sind Schlussendlich sofort zurück nach Hause. Ein etwas versauter Trip, aber man sollte wohl draus lernen.

Alpujarras

Tags drauf – wir hatten ja immer noch das Auto – haben wir einen Abstecher in die Alpujarras gemacht. Dies war für mich auch das zweite Mal, allerdings hab ich beim Ersten - - im Bus – nicht alles so richtig war genommen und so fand ich diesen zweiten Trip doch erheblich schöner. Wir haben den, der die Region u.a. auch berühmt macht, Schinken gegessen, sind durch weiße Dörfer gefahren und auch ein bisschen gewandert.

Letzte Woche habe ich versucht mir klar zu werden, welche Kurse ich dieses Semester an der Uni besuchen werde und am Freitag war ich, das erste und wahrscheinlich auch letzte Mal, zum Skifahren, in der Sierra Nevada.

Wenn man auf die Karte schaut liegt Granada direkt über der Sierra Nevada und darunter wiederum der Strand. Zu beiden braucht man mit dem Bus ca. eine Stunde. Freitag hab ich es nun endlich geschafft ins Skigebiet zu kommen, auch wenn mal wieder eine Tauphase eingesetzt hat und somit nachts der Schnee, der tagsüber schmilzt, wieder gefriert und dann früh am Morgen etwas schlecht zu befahren ist. Vor allem mit geliehenen Skiern, deren Kanten einem Stück Holz glichen. Hat aber trotzdem sehr viel Spaß gemacht auch wenn ich mir dabei einen Sonnenbrand geholt habe.

Nebenbei: was denkt ihr, wäre das dämlichste was man beim Skifahren im Rucksack haben könnte? – Also ich finde ein Trinkjoghurt ist schon recht weit oben auf der Liste. … und wenn man dann auch noch so unsicher fährt wie eine Mitbewohnerin von einem Freund die mit auf der Piste war… *lach*.

Zwei Tage später das blanke Gegenteil: Strand. Das Wasser ist zwar noch relativ frisch, aber am Strand liegen und auch ordentlich schwitzen kann man allemal.

Am Donnerstag flieg ich erst mal nach Barcelona. Danach gibt’s sicherlich wieder schneller was zu berichten.

Spanische Episoden X

*Bildungssystem: Aus gegebenen Anlass: Das deutsche Bildungssystem wurde ja zur genüge gerügt, es stände so schief, wie der Turm der Stadt nach dem die Studie benannt ist. Wenn man sich eine Skala von 1 bis 10 hernimmt, wobei 10 das Beste sei, hätte ich das Gefühl, nach all diesen vernichtenden Kritiken am deutschen Bildungssystem wären wir bei 4. Allerdings lehrt mich so was wieder viel über deutsche Jammermentalität.
Es ist kein Einzelfall – eher die Regel – dass in den Klausuren hier in Granada (und diese Uni zählt zu den renommiertesten Spaniens), bei 60% Durchfallquote, die meisten Erasmusstudenten bestehen und die Spanier durchfallen – und das alles trotz Sprachschwierigkeiten. Am Beispiel der Quantenmechanik, haben zwei Deutsche die besten Klausuren. Dies zieht sich durch alle Fachbereiche. Also wenn wir Deutsche auf der Skala bei 4 sind, dann müsste für Spanien negative Werte eingeführt werden. Ich hab von vielen gehört, dass sie in Kursen aus dem fünften Semester Stoff aus dem ersten Jahr in Deutschland behandeln, also dass man hier in fünf Jahren nicht über den Stoff des deutschen Vordiploms hinaus kommt.
(Anmerkung: ich möchte deutlich klarstellen, dass ich den Spaniern nichts unterstellen will, sondern eher mal drauf aufmerksam machen will, dass das deutsche Bildungssystem, wenn auch verbesserungswürdig – und meiner Meinung nach auch dringend nötig -, gar nicht so schlecht ist wie man immer behauptet; der Rest bleibt – politisch-korrekter Weise-: gedacht)


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